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  • Fünfter und letzter Tag, Präsentation

    Eine Fülle von Texten ist in dieser Woche entstanden: kurze Texte, lange Texte, Steckbriefe, Assoziationsketten und –brücken, lustige Texte und schwere Texte. Sookee und die Teilnehmerinnen des Workshops "Kreatives Schreiben" haben die Texte an Stellwände gehängt, auf den Boden geklebt, in die Luft gehängt - und vorgetragen. Alle Texte waren anonymisiert, es war nicht zu erkennen, wer was geschrieben hatte. Außerdem gab es ein Zeichensystem, mit dem jeder Besucher entscheiden konnte, z.B. schwere Texte zu lesen oder nicht. Respekt, Rücksicht, Schutz und Selbstschutz waren immer wieder Themen in dieser Woche.
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    Es gab eine
    Sammlung schöner Worte: Himmelsrand, Eichhörnchen!! Feuer, Liebe, Melancholie, Pudding,
    Kekse, Wort, Schmetterling, Regenbogen, Eleganz, Mut, Hinterland, Glück, Magie, Karibik, Traum,
    Pups, Schokolade, Melodie, wundervoll, Traum, Weise, Neon, Einhorn, Erdbeere, Himmel, Sommer

    und eine
    Sammlung doofer, hässlicher, nicht so schöner Worte: Egoismus, Bild, Durchfall, Tür, Krätze, Physik,
    Bombe, Zuckerwatte, Punkt, Pappe, Stuhl, Platte, paradox, Matte, Denken, Stolzzzzz, Motte, Lichtschalter,
    Mathe, Blatt, KKK, hysterisch, Kontakt, Gymnasium

    und noch eine
    Sammlung missverständlicher, unklarer, schwieriger, Fragezeichen-aufgebender Worte

    Man konnte hören und lesen, was der Regen sagen würde, wenn er zu uns sprechen könnte.

    Wir hörten, dass die depressive Katze, die noch dazu eine psychosomatische Störung hat
    und heute keine Maus gefangen hat, lernen muss, dass sie Fehler machen darf
    und dass man im Leben nicht alles haben kann.

    Wir hörten das Gedicht vom Krümelkeks, der allein und ohne Freunde im Gemüsebeet lebte.

    Eine liebevoll – bewundernde – kritisch / weise Ansprache der Erde an ein "Du".

    Wir hörten und lasen, was heute alles nicht gemacht wurde,

    und einen Versuch über die Frage, was Liebe ist.

    Erstaunliche Weisheiten ergaben sich aus absurden Fließtexten nach dem Muster von Onkel Otto in der Badewanne
    ("Friedliche Menschen müssten mehr Mist machen als die anderen."
    "Gute Nachrichten kommen gediegen aus dem TV."
    "Tanz mit mir, möglichst lange im Gewitter.")

    Außerdem: Gedanken darüber, was eigentlich ein Text ist,

    eine Sammlung: "Dinge, die ich in den letzten Jahren über das Mädchen/Frau sein gelernt habe",

    Gedanken darüber, was gut und nicht so gut ist für Kreativität.

    Es gab eine Geschichte ohne Happy end im Regen,

    ein Selbstporträt als Künstlerin,

    einen Brief an sich selbst ("Liebes Ich")

    und Kurztexte, konzentriert wie Prosagedichte, die unter die Haut gingen.

    Jede Teilnehmerin hat einen Steckbrief gestaltet – so bunt und unterschiedlich wie das Leben selbst. Rubriken u.a.:
    ´wichtigste Charaktereigenschaft´, ´schönste Beobachtung in der Natur´, ´größter Lebenstraum´, ´Lieblingskörperteil´, ´das Wichtigste überhaupt´.

    Das Publikum war sehr beeindruckt.

    besucher

    vyw

  • Vierter Tag

    Wie wollen wir morgen unsere Texte präsentieren?
    Ein großer leerer Saal, ein sehr großer, sehr leerer Saal.
    Die Teilnehmerinnen haben viele gute Ideen. Frau Nüse (Organisation) auch. 

    3_halle3_halleb
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    S+E

    Sie sind/ihr seid herzlich eingeladen zur Präsentation
    Morgen, Freitag, 11.7.2014 um 14.00 Uhr
    im Festsaal der LWL- Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik 
    Marsberg, Bredelarer Str. 33

  • Dritter Tag

    Poetry-Slam: Das Video von Julia Engelmann, Eines Tages, Baby… bringt die Frage:

    Was passiert eigentlich, wenn Text eine Stimme bekommt, wenn wir Texte vortragen?
          Man zeigt sich. Das kann Angst machen, zu versagen, sich zu blamieren, ausgelacht zu werden.

    Was kann man da machen? Wie kann man sich zeigen, ohne sich zu sehr zu zeigen? 
        - Man kann sich einen Künstlernamen geben (wie Frauen das schon immer gemacht haben)
        - mit verteilten Rollen lesen
        - Ausstellen statt vortragen
        - Dabei durch Gestalten mit Schrift, Farbe, Symbolen, Anordnung trotzdem etwas zeigen
        - Texte, Inhalte und Autorenschaft anonymisieren

    Wenn man z.B. Steckbriefe zeigt statt Klarnamen und Person

    steckbrief

     Zwei Texte wurden gestern nicht vorgelesen, aus Rücksicht auf eine Teilnehmerin, die darum gebeten hatte, nichts vor zu lesen, was zu sehr aufwühlen kann. Auch mit dem Blick auf die Präsentation am Freitag ergibt sich heute die Frage:

    Was zeige ich – was ist zu doll?
    (Und ist eine Warnung sinnvoll?)

    Überhaupt: Was lese/gucke/höre ich – und was lieber nicht?
        - Welche Bücher/Filme/etc. verschlinge ich – welche verschlingen mich
        - Was zieh ich mir rein – was lieber nicht
        - um mich zu schützen

    Wie schütze ich mich?
    Wie komme ich aus Situationen raus, die mir nicht gut tun?

    Strategien

    Und: Was tut gut?
    Wenn kleine Kinder sich weh getan haben, hilft Pusten, Wegpusten
    Symbole, Rituale, Beschwörungen
    Die Essenz davon erkennen: Was bleibt?
    (Und manchmal hilft auch Katzenbabyvideos gucken!)

  • Zweiter Tag

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    Texte
    Nonstoptexte
    Assoziationskette
    Brückenbau: Begriffe verbinden, die nichts miteinander zu tun haben
    Kollektivtext
    Längere Texte

    Themen
    Was ist Liebe?
    Umgang mit einer depressiven Katze
    Nicht öffentliche Texte
    Freundschaft zwischen Mensch und Pferd

    Prozesse
    Kontakt aufnehmen
    Respekt und Rücksicht schaffen Vertrauen
    Mutiger werden

  • Kreatives Schreiben mit Sookee

    1_hand

    Erster Tag

    Was ist ein Text?
    Was brauche ich, damit mir was einfällt?
    Was kann ich nicht gebrauchen? 
    Was fällt uns zum Wort "Keks" ein?
    Was noch?
    Wo führt uns das hin? 
    Wenn wir keine Angst haben, "Fehler" zu machen, nicht gut zu sein, albern zu sein, noch nicht zu wissen, was am Ende rauskommen soll?

    Sechs Mädchen, 15 bis 17 Jahre alt, finden zusammen und lassen sich inspirieren von Sookees genialen Kreativitätssprungbrettern. 

    Spannend.

    1_SOOKEE

  • SOOKEE kommt!

    Kennt Ihr Sookee?

    Sookee ("Quing of Berlin") ist Rapperin und ziemlich bekannt in der Szene. Rap: Text und Rhythmus, Körper und Wut. Und Spaß. Gewalt- und Machterfahrungen, Identitäts- und Geschlechterrollenfragen umzusetzen in Worte und Rhythmus: Das ist genau das Richtige für die Patient_innen der Kinder- und Jugendpsychiatrie, dachte ich, als ich in einem ZEIT-Interview mit Sookee las, dass sie Workshops für Jugendliche macht.

    Eigentlich können wir uns ihr Honorar nicht leisten. Ich habe ihr trotzdem geschrieben und ihr ausführlich unser Projekt vorgestellt. Und: Sie machts!

    Im Sommer 2013 habe ich ehrenamtlich Steinbildhauerei angeboten, weil nicht genug auf dem Konto war, um eine_n externe_n Künstler_in angemessen bezahlen zu können. Inzwischen stehen wir wieder besser da. Der Wunsch meiner Mutter zu ihrem 90. Geburtstag: `Spenden für KUNST IN DER KLINIK´ hat sehr geholfen.

    Wir danken euch ganz herzlich für eure Unterstützung. Eure Spenden machen es möglich, dass es weitergehen kann mit den Workshops von KUNST IN DER KLINIK.

    http://www.youtube.com/watch?v=UnX9ZQRykqA

  • Meinungen

    Auch wenn hier nicht so viele Kommentare stehen - per Email sind ausschließlich positive Reaktionen auf den Autoaufkleber gekommen. Interessanter Hinweis: das altgriechische Wort "Idiot" bedeutet nichts anderes als "Privatperson"!

    Danke für eure ermutigenden Worte.

    Astrid

  • Provokation oder Werbung?

    Seit einer Woche fahre ich mit einem Autoaufkleber "www.idiotenfriedhof" durchs Land. Es gab Aufregung. Es gab Befürchtungen um mein Auto. Es gab Vermutungen, dass da etwas aus einer - etwas übelriechenden - jugendlichen Blödelecke dahinterstecken könnte. Und dann aber auch Überraschung über das Projekt, das man bisher nicht gekannt hatte.

    Ich freue mich natürlich über den Werbeeffekt, aber ich wüsste auch gern, wie ihr darüber denkt. Ist der provozierende Effekt zu irreführend und stärker als die Werbewirkung? Oder sollten wir das in Kauf nehmen?

    Ich bin gespannt auf eure Meinung.

    Astrid
    Kunst in der Klinik e.V.

  • Steinbildhauerwerkstatt, vierter und letzter Tag

    Meine Rede zur Abschlussausstellung

    Fünf Tage, sechs junge Patienten und Patientinnen aus 5 psychiatrischen Stationen, zehn Formen sind entstanden. Die Aufgabe war: Finde deine Form.

    Diese Steine (Sandstein und ein Kalkstein) waren bis auf zwei alle quaderförmig. Sie waren behauen, um in ein Mauerwerk eingebaut zu werden, wurden aber aussortiert, weil sie alle irgendeine Macke haben: Risse, Löcher, Schwachstellen, Bruchstellen, Brüche. Diese Besonderheiten wurden bei einigen der Arbeiten zum Ausgangspunkt für die Gestaltung.

    Hier z.B.(Bild 02): Diese dunklere Form war so, als Loch, im Stein zu sehen und passte zuerst nicht zum ursprünglichen Plan. Aber dann erkannte der Teilnehmer: das ist ja ein Auge! Ein Kopf. Ein zweites Auge kam dazu – leider ein Totenkopf. Und dann die Überraschung: Sobald der Mund ausgearbeitet war, wurde der Kopf lebendig! Und fing an zu sprechen. Der Kopf bekam später noch einen Körper, die ganze Figur einen Hintergrund, der zeigt, wo das Wesen herkommt.

    Dann hier (Bild 03): diese natürliche dunkle Einkerbung wurde erweitert zum „Flusstal“, das Wasser bekam mit einem Durchbruch noch einen Überlauf. Und dann stellte der Teilnehmer diese Flusslandschaft auf ein Gewölbe, das an Stonehenge erinnert, dieses geheimnisvolle Menschenwunder aus uralten Zeiten. Der rechteckige, massive Quader wurde auf einmal leicht und denkt sich im Kopf weiter.

    Dieser Stein (Bild 07)war eine Herausforderung. Er hatte mehr Löcher, Risse, Quarzadern und Schwachstellen als alle anderen. Er ist beim Arbeiten zerbrochen – er war vorher fast doppelt so hoch. Aber der Teilnehmer hat nicht aufgegeben. Er hat die rechteckige stabile Basis stehen gelassen und angefangen, darüber etwas Rundes zu arbeiten, das in dem Eckigen versinkt.

    Das Herz (Bild 04): diese natürliche Linie war vorher nicht zu sehen, sie kam erst beim Arbeiten heraus. Und schmiegt sich jetzt so harmonisch an die Form, als hätte man sie gemalt. Ein Herz, das aufrecht steht und sich zeigt. Eine starke Form.

    Eine Überraschung gab es auch bei dieser Form (Bild 05), aber nicht vom Stein. Als wir uns gestern gemeinsam angesehen haben, was jeder so gemacht hat, fiel einem der Teilnehmer auf, dass diese Form, die eine Kugel werden will, Strahlen hat. Beim Arbeiten, durch das Arbeiten entstanden, ohne Absicht und unbemerkt. Der Plan war nur gewesen, aus dem Eckigen etwas Rundes zu machen.

    Dann haben wir hier noch den VW-Bus (Bild 06). Ich habe den Teilnehmern mehrmals gesagt, sie sollten sich besser nicht zu filigrane Formen vornehmen, weil der Sandstein grob und bröckelig ist und es Enttäuschungen geben kann. Und dann schlägt dieser Teilnehmer einen fast realistischen Unterboden aus dem Stein! So vorsichtig und akkurat, dass schmale Stoßstangen und feine Formen möglich werden.

    Bei einigen Teilnehmern ging es nach dem 1. Stein noch weiter. Hier wurde vom ersten Stein das Thema Positiv- Negativ – Form aufgegriffen und weitergeführt – und bekam bei diesem dritten Stein noch einmal einen neuen Dreh. (Bilder 08 und 09)

    Jeder Teilnehmer hat seine Form gefunden, erkennbar. Einige sind noch im Werden. Und jeder hat seine ganz eigene Form gefunden. Sehr individuell, sehr eigenwillig, ganz interessante Ideen und sehr ausdrucksstark. Ihr könnt alle stolz sein auf eure Arbeit.

    Es gab aber in dieser Woche noch etwas Besonderes, davon möchte ich erzählen. Bildhauerei ist Einzelarbeit, man arbeitet für sich, jeder an seinem Tisch, jeder an seinem Stein. Diese 4 Jungen und 2 Mädchen, die sich bis auf 2 vorher nicht kannten, sind in diesen Tagen zur Gruppe geworden.

    Es hat mich sehr berührt, wie diese jungen Menschen miteinander umgehen. Wie sie sich morgens begrüßen, nach der Nacht fragen und wie es dem anderen geht. Wie sie sich interessieren für die Arbeit des Anderen. Wie sie sich auch gegenseitig Mut machen und von ihrem eigenen schweren Weg und auch von guten Erfahrungen berichten. Das war sehr schön.

    Und das hat sicherlich auch mit der Arbeit und der Haltung der Menschen zu tun, die in dieser Klinik arbeiten.

    Ich danke der Klinikleitung, Herrn Dr. Burchard, Herrn Dr. Heinemann für ihre Unterstützung unseres Projekts. Ich danke Frau Nüse für ihre zuverlässige und kongeniale Organisationsarbeit. Ich danke allen Spendern. Und ich danke euch, den Teilnehmern und Teilnehmerinnen, dass ihr euch eingelassen habt auf die Arbeit und dass ihr durchgehalten habt.

  • Bildhauerwerkstatt 3. Tag

    Drückende Schwüle, wir schwitzen. Heute ist die große Herausforderung, dabei zu bleiben, sich zu konzentrieren, weiter zu machen. Dann, am Nachmittag: das Gewitter, der kühlende Regen.

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